Aktuell: Eilantrag zum Stopp der Abbaumaßnahmen; Information statt Beteiligung durch die Landesregierung

Mit einem Eilantrag haben im April 2012 AnwohnerInnen des stillgelegten AKW Obrigheim beim baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim einen Stopp der weiteren Abbaumaßnahmen beantragt. Die Klägerinnen und Kläger befürchten, dass Sicherheitsaspekte des Abbaus nicht ausreichend geprüft wurden. Sie sehen Mängel im Planungs- und Genehmigungsverfahren, die zu unnötigen Risiken führen könnten. Die Initiative AtomErbe Obrigheim fordert gemeinsam mit den KlägerInnen eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit, besseren Störfallschutz und eine verstärkte Vorsorge vor Strahlenbelastungen beim Abbau des Alt-AKWs.

Das Umweltministerium Baden-Württemberg hatte der EnBW für das AKW Obrigheim die 2. Stilllegungs- und Abbaugenehmigung (SAG) erteilt und Sofortvollzug angeordnet. Damit wurde der Abbau der Bereiche mit höherer Aktivität genehmigt, obwohl dort noch 342 hochradioaktive abgebrannte Brennelemente in einem Nasslager liegen, die ein enormes Risikopotenzial darstellen. Aus der Initiative AtomErbe Obrigheim hatten vier AnwohnerInnen bereits Ende 2011 Klage beim VGH gegen die Genehmigung eingereicht.

Am 2. Juli 2012 wurden die Unterlagen für die 3. Abbaugenehmigung veröffentlicht, am 24. Juli, unmittelbar vor den Sommerferien. fand die freiwillige Beteiligung im Rahmen einer Informationsveranstaltung statt. Die Pressemeldung anlässlich der Informationsveranstaltung fasst die Kritik des BUND zusammen, weitere Argumente finden sich im Strahlentelex-Artikel von 2011 (pdf).

Hintergrund AKW Obrigheim

Foto: Felix König | CC
Foto: Felix König | CC

Das älteste AKW im Land liegt am Neckar in unmittelbarer Nähe von Mosbach. Der Druckwasserreaktor mit 300 MW Nennleistung wurde von mehreren Gesellschaftern, darunter der Energie Baden-Württemberg (EnBW) als Hauptanteilseigner ab 1969 betrieben. Durch Umlagerung von Reststrommengen wurde das Abschalten verzögert und der Atommeiler nicht wie geplant 2003, sondern erst 2005 stillgelegt.


Schwachstellen

Das AKW Obrigheim ist ein Druckwasserreaktor der 1. Generation und wurde - trotz einer ganzen Reihe von Nachrüstungen - mit mehreren gravierenden Schwachstellen betrieben. Zahlreiche Schwachstellen hätten sich nicht mehr nachträglich beseitigen lassen. Hier zu nennen sind insbesondere:

  • Mangelnder Schutz gegen Flugzeugabstürze - die Reaktorkuppel ist lediglich 70 cm dick
  • Obrigheim ist nicht ausreichend gegen Erdbeben ausgelegt
  • Obrigheim hat als einziger Druckwasserreaktor nur zwei Stränge (Loops) im Primärkreislauf. Störfallszenarien wie Kühlmittellecks wären dadurch viel schwerer beherrschbar gewesen. Alle noch in Betrieb befindlichen AKW außer Neckarwestheim verfügen über vier Loops
  • Das Notkühlsystem ist anders als bei allen neueren Reaktoren nicht für einen vollständigen Abriss einer Hauptkühlmittelleitung (so genannten 2F-Bruch) ausgelegt
  • Der Werkstoff des Reaktordruckbehälters ist für so genannten spröden Bruch anfällig, wodurch dieser insbesondere bei Störfallszenarien mit Notkühlung bersten kann. Ein Super-GAU wäre in einem solchen Fall nicht mehr zu verhindern. Das Problem wird mit dem Alter des Reaktors noch verschärft, da die Neutronenstrahlung zur Versprödung des Materials führt

Die Störfälle der Vergangenheit im Überblick: 2001 2002 2003 2004 2005

Was Sie noch tun können



Die Aktivitäten des BUND Rhein-Neckar-Odenwald zum AKW Obrigheim werden unterstützt von:

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