Kein neues Baugebiet in Waldhilsbach

Wie alles begann...
1952 stand in einer Zeitung: "Waldhilsbach ist ein Dorf, in dem man keine Kirchturmpolitik betreiben kann." Es gab keine Kirche im Ort, sondern nur geschmackvoll ausgestattete Betsäle. Seit vielen Jahren gibt es nun zwei Kirchen, und die Kirchturmpolitik spaltete im Juli 2010 die Bürgerschaft.
In diesem netten kleinen Ort mit 1.400 Einwohnern hing im Juli 2010 der Haussegen schief, als die Gemeinde die 2. Fortschreibung des Flächennutzungsplans ankündigte, der das Baugebiet Sandklinge auswies. Fast 150 Waldhilsbacher Bürgerinnen und Bürger wollten kein neues Baugebiet, und auch betroffene Grundstücksbesitzer unterschrieben gegen das geplante Baugebiet.

BürgerInnen und BUND stoßen Diskussion an
Befremdlich war, dass die Bekanntmachung des Flächennutzungsplans in den Sommerferien erfolgte und deshalb Betroffene und Interessierte zu spät informiert wurden. Ein faires Verfahren und echte Bürgerbeteiligung geht anders! Dass die Diskussion um eine zukunftsfähige Dorfentwicklung doch noch angestoßen wurde, ist vor allem der Verdienst engagierter Bürgerinnen und Bürger und des BUND.

Argumentation von gestern

Die Befürworter lieferten als Hauptargument: Wir brauchen Familien mit Kindern! Es ist traurig, wenn mit solchen Argumenten Stimmung gemacht wird, denn wer sollte keine Kinder wollen? Doch ebenso wichtig ist es, jetzt schon umzudenken und die Gemeinden auf die Bedürfnisse älterer Menschen einstellen. Das betrifft z.B. Straßen und gemeinschaftlicher Infrastruktur wie Turnhallen oder Kindergarten. Stattdessen forcieren viele Gemeinden einen Wettbewerb um die letzten Einwohner und die Haushaltssanierung via Neubaugebiet.

Mangelnder regionaler Bedarf
Wer hier auf Wachstum setzt, kann nur verlieren, denn gerade in der näheren Umgebung sind bereits eine Vielzahl von Neubaugebieten entstanden. Durch den Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Heidelberg werden voraussichtlich rund 8.000 Angehörige der US-Armee und ihre Familien sowie etwa 1.000 zivile Beschäftigte die Umgebung Heidelbergs verlassen. Die US-Flächen umfassen die doppelte Größe der Heidelberger Altstadt – viel Raum für neue Wohnungen.

Die ältere Generation ist die einzige Bevölkerungsgruppe, die in naher Zukunft zahlenmäßig wachsen wird. Somit sollte eine Gemeinde gute Konzepte erarbeiten, um dieser Personengruppe gerecht zu werden. Deshalb versuchte man hier dann noch auf eine eingeschossige Bebauung umzuschwenken, ohne zu bedenken, dass sie dadurch in eine dörfliche Randlage „verbannt“ werden.

Der BUND fordert:
ein langfristiges Konzept der Dorfentwicklung, das folgende Themen berücksichtigt:

  • Innenentwicklung der Gemeinde
  • Einrichtung eines Baulückenkatasters
  • Erfassung von Grundstücken im Dorf, die seit 30 Jahren noch nicht bebaut wurden
  • Auseinandersetzung mit dem Thema „demografischer Wandel“
  • Bürgerschaftliche Partizipation an wichtigen Entscheidungen des Ortschaftsrats
  • Berücksichtigung der Umweltschutzidee

Der BUND ist überzeugt: Dorf Waldhilsbach hat Zukunft - auch ohne Baugebiet auf der grünen Wiese. NATURA 2000 soll das europäische Naturerbe für die nachfolgenden Generationen bewahren - und die Rodungsinsel Waldhilsbach, die von Streuobstwiesen umrahmt wird, ist ein Teil davon - darauf können die Waldhilsbacher Bürgerinnen und Bürger stolz sein. Die BUND Ortsgruppe Neckargemünd hofft, dass der Ort seine Ressourcen an unbebauter Natur nicht verspielt, damit die Kinder in einem naturverbundenen Ort leben und aufwachsen können.

Im Jahr 2012 feiert Waldhilsbach ein Jubiläum: Vor 700 Jahren wurde der Ort zum ersten Mal erwähnt. Zu dieser Feier werden sich die Waldhilsbacher von ihrer wunderbaren Seite präsentieren, sie werden zeigen, warum es so schön ist, in dem Dorf zu wohnen. Die Bürgerinnen und Bürger sollten es schätzen, in einem DORF wie Waldhilsbach leben zu dürfen, und jede(r) kann etwas für die Zukunft des Ortes tun.

Was Sie tun können:

  • Engagieren Sie sich vor Ort beim BUND, Kontaktdaten finden Sie hier
  • Fordern Sie Ortschaftsräte, Ortsvorsteher und den Neckargemünder Gemeinderat auf, sich für eine zukunftsfähige Ortsentwicklung ohne neue Baugebiete stark zu machen.
  • Die einen haben Zeit, die anderen Geld. Unterstützen Sie die Arbeit des BUND mit einer Spende