Warum kein Kohlekraftwerk Mannheim?

In Mannheim wird der Bau eines neuen 911-Megawatt Steinkohlekraftwerks (Block 9) vorangetrieben. Betreiber ist die Grosskraftwerk Mannheim AG (GKM), ein Zusammenschluss aus MVV (28 Prozent), RWE (40 Prozent) und EnBW (32 Prozent). Gegen diese Neubauplanungen sprechen nach Auffassung des BUND viele Gründe.

Block 9 ist keine Ersatzinvestition, sondern Ausbau

Entgegen wiederholter Behauptungen handelt es sich nicht um eine Ersatzinvestition, die „Stilllegungslüge" ist also auch hier zu beobachten. Zwar sollen auf öffentlichen Druck hin die Blöcke 3 und 4 mit je 220 Megawatt einmal still gelegt werden, ob und wann dies passiert ist jedoch offen. Verschwiegen wurde zudem, dass einer der Blöcke als Ersatzkapazität vorgehalten werden muss, ein Parallelbetrieb ist nicht erlaubt. Insgesamt würde Block 9 zu einem Kapazitätsausbau um rund 50 Prozent führen.

Block 9 wird für die Fernwärmeversorgung nicht benötigt

Das GKM ist für eine nachhaltige Wärmeversorgung schon heute viel zu groß. Die anfallende Abwärme kann trotz Ausbau des Fernwärmenetzes gar nicht genutzt werden. Zudem gibt es in Mannheim weitere Wärmepotenziale einer Müllverbrennungsanlage und eines Biomassekraftwerks die nicht oder nur unzureichend genutzt werden können. Im Gegensatz zu zentralen Großkraftwerken gehört die Zukunft kleinen, dezentralen Einheiten, die Wärme und Strom dort produzieren, wo er benötigt wird.Block 9 ist für die Stromversorgung überflüssig

Die vom Bundesumweltministerium in Auftrag gegebene „Leitstudie“ zeigt, dass die Versorgungssicherheit beim Strom auch ohne Atomkraft und ohne den Bau von neuen Kohlekraftwerken gesichert werden kann. Deutschland zählt seit mehreren Jahren auch in der Summe zu den Stromexporteuren. Mehr zu der Mär von der Stromlücke gibt es hier

Eine Studie für die nachhaltige Energieversorgung in Baden-Württemberg - ohne Atomenergie und neue Kohlekraftwerke - hat der BUND als Fahrplan Energiewende veröffentlicht. 

Block 9 ist ein wirtschaftliches Risiko – für die Betreiber und die Stadt Mannheim

Angesichts der stark gestiegenen Bau- und Betriebskosten ist die Refinanzierung der Investition fraglich. Unsicherheiten bei den CO2-Preisen, das Wachstum der Erneuerbaren Energien sowie die von der GKM vorgebrachte Nachrüstung mit einer Kohlendioxid-Abscheidung (CCS) stellen die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens vollends in Frage. Die Stadt Mannheim ist indirekt mit ca. 14 Prozent an den Investitionen beteiligt und geht somit ein erhebliches finanzielles Risiko ein.

Der Arbeitsplatzeffekt eines umweltschonenden Kraftwerksparks mit einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien ist deutlich höher als der eines Kohlekraftwerks. Die Milliardeninvestition in die veraltete Steinkohletechnologie behindern sinnvolle Investitionen in eine nachhaltige Energiewirtschaft. Klar ist: Auch mit dem hochautomatisierten Block 9 wird die Gesamtzahl der Arbeitsplätze bei der GKM AG weiter abnehmen.

Block 9 zerstört das Klima

Die klimaschädlichen Emissionen würden durch Block 9 geschätzt um drei Millionen Tonnen pro Jahr zunehmen – auf einen Schlag. Bundesweit ist der Bau neuer Kohlekraftwerke mit den Klimaschutzzielen der Bundesregierung nicht vereinbar. Block 9 macht jeden Klimaschutz chancenlos. Auch die Kohlendioxid-Abscheidung (CCS) ist keine Lösung und mit vielen technischen Problemen behaftet. Die Effizienz des Kraftwerkes würde deutlich sinken und die Einlagerung wäre eine Problemverschiebung der Lasten auf zukünftige Generationen.

Block 9 verschmutzt die Atemluft mit Feinstaub und Schwermetallen

Die Feinstaub-Emissionen von Block 9 betragen einige hundert Tonnen pro Jahr und führen Anstrengungen zur Feinstaubreduzierung (z.B. die Umweltzone in Mannheim) ad absurdum. Viele weitere Stoffe werden in die Umwelt abgegeben.

Block 9 belastet den Rhein

Über die Hälfte der eingesetzten Energie würde über das Kühlwasser dem Rhein zugeführt. Die geplante Durchlaufkühlung des Rheins ist angesichts der bereits heute grenzwertigen Wärmebelastung als nicht mehr zulässig einzustufen. Durch die hohen Temperaturen wird die Flora und Fauna des Rheins geschädigt. Insbesondere werden alle Bemühungen, den Lachs im Rhein wieder anzusiedeln, zunichte gemacht. Mehr zum Thema Wärme auch in der neuen BUND-Studie, die im Juli 2009 vorgestellt wird.

Block 9 kostet Arbeitsplätze

Der Arbeitsplatzeffekt eines umweltschonenden Kraftwerksparks mit einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien ist deutlich höher als der eines Kohlekraftwerks. Die Milliardeninvestition in die veraltete Steinkohletechnologie behindern sinnvolle Investitionen in eine nachhaltige Energiewirtschaft. Klar ist: Auch mit dem hochautomatisierten Block 9 wird die Gesamtzahl der Arbeitsplätze bei der GKM AG weiter abnehmen.

Block 9 verhindert die Energiewende

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien belegt: Die Energiewende ist machbar. Allerdings nur, wenn dies politisch gewollt wird. Block 9 würde das fossile Energiesystem für Jahrzehnte zementieren und die Wende zu einem zukunftsfähigen Energiesystem verhindern. Wie eine solche aussehen könnte, hat der BUND u.a. mit dem „Fahrplan Energiewende“ vorgerechnet.

Ausführliche Argumente auch in dem Faktenpapier „Warum ein neues Kohlekraftwerk Mannheim schadet