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BUND fordert nachhaltiges Flächenmanagement in der Metropolregion

25. Januar 2021 | Nachhaltigkeit, Lebensräume, Klimawandel, Landwirtschaft, Naturschutz

Auf den ersten Blick scheint es eine einfache Rechnung zu sein – Fläche ist endlich, deshalb sollten wir sehr sparsam damit umgehen. Und doch wurden in Baden-Württemberg laut Statistischem Landesamt auch 2019 wieder Tag für Tag 4,8 ha Flächen neu „verbraucht“, Tendenz wieder steigend. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche ist dabei im Rhein-Neckar-Kreis seit dem Jahr 2000 von 17,9% der Gesamtfläche auf 20% (Stand 2019) gestiegen. Vorrangig entstanden neue Wohn- und Gewerbegebiete, aber auch Verkehrsflächen, welche den Boden geschätzt zu knapp der Hälfte versiegeln und ihn somit seiner natürlichen Funktionen berauben. „Zurückgebaut und entsiegelt wird derweil kaum. Doch so können wir nicht weitermachen!“ erklärt Dr. Bianca Räpple vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald.

Wir können uns den fortschreitenden Flaechen"verbrauch" nicht leisten  (Foto: Bianca Räpple/BUND)

Entlang der großen Verkehrsachsen, wie an der Bergstraße, verdichten sich die Gewerbe- und Wohngebiete, ein regelrechter Wettbewerb der Kommunen. Ganz aktuell wird die beschlossene Erweiterung des Gewerbegebietes in Hirschberg diskutiert. Dabei finden sich hier in der Ebene ertragreiche landwirtschaftliche Böden, aber ebenso ein Wasserschutzgebiet. Und auch in Wilhelmsfeld hat der Gemeinderat kürzlich beschlossen, 6,4 ha Wiesen- und Weideland für die gewerbliche Nutzung freizugeben.

Gerade die Corona-Situation zeigt, wie wichtig Freiflächen für die Erholung und das Wohlbefinden der Bevölkerung sind. Noch eindringlicher verdeutlicht sie, wie wichtig unsere Böden zur lokalen Erzeugung von Nahrungsmitteln und damit die regionale Versorgungssicherheit sind – die deutlich erhöhte Nachfrage spiegelt dabei die Wertschätzung für heimische Produkte wider. Ganz zu schweigen von den ökologischen und langfristigen ökonomischen Auswirkungen einer Versiegelung von Freiflächen, welche immer mit dauerhaften Funktionsverlusten verbunden ist. Die natürliche Leistungsfähigkeit und Regelungsfunktion der Böden und damit ein wesentlicher Teil des Naturhaushalts gehen mit Überbauung und Bodenverdichtung, mit Abgrabung und Ablagerung, unwiederbringlich verloren. Hinzu kommen der Verlust, die Zerschneidung und Fragmentierung von Lebensräumen. Ein „Weiter so“ befeuert damit die großen Herausforderungen unserer Zeit, wie den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt.

Zum Teil setzt ein erstes Umdenken ein, so dass in manch einem Bebauungsplan Mindeststandards festgesetzt wurden, wie das Ansiedeln heimischer Pflanzen und die Begrünung von Fassaden und Zäunen. Jedoch ist die Umsetzung dieser Mindeststandards in der Realität oft nicht erfolgt und eine tatsächliche Kompensation für den Verlust von Bodenfunktionen können diese schlicht nicht leisten. Außerdem müssen wir uns spätestens heute fragen, ob nicht auch bestehende Selbstverständlichkeiten und Annehmlichkeiten auf den Prüfstand gehören. Ziel muss es sein, schon kurzfristig zur „Nettonull“ zu gelangen, so dass Flächen nur noch versiegelt werden, wenn an anderer Stelle ein Rückbau stattfindet. Für die Region braucht es hierzu einen detaillierten Zeitplan, mit konkreten (Zwischen-)Zielen.

Bedauerlicherweise zeichnet sich auf der Ebene der Wohngebiete aber auch ein rückwärtsgewandter Trend ab. Mit dem Argument, die beschleunigte Ausweisung von Baugebieten im Außenbereich sei das richtige Mittel um dem Bedarf an günstigem Wohnraum gerecht zu werden, wurden zwischen 2017 und 2019 in zahlreichen Kommunen der Region teure Ein- und Zweifamilienhäuser auf der grünen Wiese errichtet. Laut Daten die dem Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe vorliegen wurden so im Rhein-Neckar-Kreis rund 40 ha Wohnbaugebiete ausgewiesen, doch die Liste des RPs ist nicht vollständig, weiß der BUND. Räpple warnt: „Wird dieser Trend bis 2022 fortgesetzt werden die propagierten Nachhaltigkeitsziele deutlich verfehlt. Die Landesregierung wie auch die Kommunen sind hier angehalten, Lösungen zu präsentieren. Nur so erhalten wir unsere Lebensqualität auch für die nächsten Generationen“.

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