BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald

Aktionsbündnis Unterer Neckar im LNV-Arbeitskreis Rhein-Neckar (AUN)

Das Aktionsbündnis Unterer Neckar setzt sich dafür ein, ...

 (Regine Buyer)

  • die Situation der Lebewesen im Unteren Neckar zu verbessern,
  • die Uferbereiche des Neckars bzw. Altneckars als durchgängiges Biotop ökologisch aufzuwerten,
  • Teile der Neckaraue wenigsten ansatzweise zu reaktivieren,
  • ein Gebietsmanagement mit extensiver Nutzung der  umgebenden Landschaft, der einstigen Aue, zu etablieren,
  • eine naturverträgliche Naherholung und eine effektive Umweltbildung in diesem Naturparadies ermöglichen.

Weitere Informationen dazu auch hier.

Aktuelle Beobachtungen am Wieblinger Altneckar.

 

Impressionen der Flora und Fauna am Altneckar

Meerneunartikel 2021

Ein Blick unter die Wasseroberfläche:

Fische können im Neckar von Spaziergängern und Naturfreunden nur selten gesehen oder gar bestimmt werden, es sei denn an einer der wenigen Fischtreppen im Unteren Neckar. Doch am 9. Mai diesen Jahres konnte u.a. Claus Neuer, Referent für Umwelt-, Tier- und Naturschutz beim Badischen Sportfischerverband e. V. an der Fischaufstiegsanlage Ladenburg mal wieder ein ausgewachsenes Meerneunauge beobachten, das zum Laichen den Neckar stromaufwärts unterwegs war. Die letzte Sichtung dieser seltenen Tiere war 2019.

Meerneunaugen sind eine zoologische Rarität: Sie sind „lebende Fossilien“ und haben sich in den letzten 500 Millionen Jahren kaum verändert.

Wissenschaftlich betrachtet sind Meerneunaugen keine Fische, sondern sog. Rundmäuler. Sie haben eine aalähnliche Körperform, sind 70-90 cm lang, haben ein rundes Maul ohne Kiefer und keine Schuppen. Sieben Kiemenöffnungen bilden zusammen mit dem Auge und dem Nasenloch neun Öffnungen, die dem Tier den Namen Neunauge einbrachten. Die erwachsenen Meerneunaugen leben in Nord- und Ostsee und schwimmen, wenn sie geschlechtsreif werden, zur Fortpflanzung flussaufwärts. Sie laichen in sandigen bis kiesigen Gewässerabschnitten mit mittel-starker Strömung. Der Wieblinger Altneckar und seine Unterwasservegetation bieten an mehreren Stellen geeignete Laichplätze für diese bedrohten Tiere. Wir hoffen, dass am 9. Mai fotografierte Neunauge einen Partner findet,  sich erfolgreich vermehren kann und seine Nachkommen zurück zum Atlantik finden. Leider wird es wohl nicht über Wieblingen hinaus flussaufwärts schwimmen können, da geeignete Fischabstiegsanlagen fehlen. Deshalb ist es wichtig, dass das Laichgebiet dieser europaweit geschützten Art im Wieblinger Altneckar erhalten bleibt und nicht durch das Einrammen von Brückenpfeilern und weiteren Baumaßnahmen zerstört wird. Das Meerneunauge gehört zu jenen bedrohten Arten, die am Ende des letzten Jahrhunderts zum europäischen Schutz dieses Neckarabschnitts, zu seiner Ausweisung als FFH-Gebiet geführt haben.

Was versteht man unter einem FFH-Gebiet? 

Die FFH-Richtlinie (FFH=Flora-Fauna-Habitat), 1992 beschlossen, verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zum länderübergreifenden Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere sowie ihrer natürlichen Lebensräume, die als sogenannte FFH-Gebiete ausgewiesen sind. Diese gehören zu einem europaweiten Netzwerk der wertvollsten Naturschätze – Natura 2000 genannt –, das sich von den Atlantikküsten über die Alpen bis zum Schwarzen Meer erstreckt.

Zu diesen FFH-Gebieten gehört der Wieblinger Altneckar. In ihm leben u.a. mehrere europaweit sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Fischarten, deren Lebensraum in den letzten Jahren immer seltener wurde: z.B. das Meerneunauge.

Aktivitäten des Aktionsbündnisses Unterer Neckar (AUN) 2019

Exkursion am Unteren Neckar

Eisvögel am unteren Neckar Foto: Regine Buyer

Um die Besonderheit des Unteren Neckars, dieser sensiblen Auenlandschaft kennenzulernen, den Unteren Neckar mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen und auch um Politikerinnen und Politikern die Notwendigkeit zu vermitteln, dieses Gewässer und die umgebende Auenlandschaft nachhaltig zu schützen, lud das Aktionsbündnis Unterer Neckar am 20.10.2019 zu einer Exkursion in dieses Naturparadies ein. Lesen Sie dazu auch den Bericht in der RNZ.

Der Neckarkanal und seine Dämme

Quelle: LUBW 2019

Die Dämme am Neckarkanal stammen aus den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts, später wurden Spundwände eingezogen. Aufgrund der neuen Hochwasserschutzrichtlinien von 2011 soll die gesamte Vegetation auf den Dämmen entlang des Neckarkanals in den nächsten Jahren vollständig entfernt werden. Mehr als 500 Bäume würden den Rodungen zum Opfer fallen.

Von den Rodungen im Bereich Mannheim, mit denen bereits vor einigen Jahren begonnen wurde, sind rund 400 Großbäume betroffen und ca. 100 Bäume auf dem Wieblinger Neckardamm sowie zahlreiche Büsche und Sträucher. Anders als am Rhein handelt es sich hierbei nicht um eine Hochwasserschutzmaßnahme, vielmehr soll der Wasserweg geschützt werden. Nach dem "Merkblatt zur Standsicherheit von Dämmen an Bundeswasserstraßen" von 2011 sind Großbäume und flächendeckendes Gebüsch auf Dämmen nicht mehr zulässig. Dahinter steht die Befürchtung, dass entlang der Wurzeln Wasser durchsickern könnte oder von einem Sturm entwurzelte Bäume Lücken in den Damm reißen könnten.

Da der Wasserstand im Neckarkanal für die Schifffahrt stets auf gleicher Höhe gehalten wird und das obere Drittel des Dammes trocken bleibt, können nach Ansicht des AUN die meisten Gehölze in diesem Bereich erhalten werden.

Lösung: Diese drastischen Rodungen beruhen auf theoretischen Berechnungen. Sie berücksichtigt weder die tatsächliche Situation bei Hochwasser vor Ort, noch die lokalen Gegebenheiten wie die vorhandene vollständige Verspundung des Kanals sowie das Hochwasserschutztor in Mannheim. Das Aktionsbündnis fordert deshalb eine Einzelfallbetrachtung und frühzeitigen Ausgleich für dennoch erforderliche Rodungen durch Ersatzpflanzungen, die den wertvollen Biotopverbund erhalten und Ausgleichsquartiere für Tiere, deren Lebensraum durch die Dammrodungen beseitigt wird, schaffen und die somit Kontinuität des Naturschutzes gewährleisten.


Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, richtete das Aktionsbündnis Unterer Neckar im Frühjahr 2019 eine Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, die noch nicht endgültig entschieden ist (Stand November 2019). 

2018

 (Birgit Biemann)

Situation am Neckarufer in Ladenburg 2018

Um den Schutz unserer Flüsse vor der zunehmenden Belastung durch den Eintrag an Nährstoffen und Pestiziden zu schützen, stehen die Gewässerrandstreifen unter besonderem Schutz. Nach wiederholten Gesprächen des AUN mit der Stadtverwaltung in Ladenburg können nun (2018) an einigen Stellen auch wieder Stauden am Neckarufer wachsen.

Da Ladenburg zu den Gewinnern des Projekts "Natur nah dran" gehört, das Projekte zur biologischen Vielfalt unterstützt, haben die Ladenburger nun die Hoffnung, dass auch das gesamte Neckarufer in Zukunft wirksam geschützt wird.

Fische im Unteren Neckar

Weitere Probleme bestehen in der zunehmenden nächtlichen Fischerei auf Großwelse, die sich mittlerweile zum lukrativen Geschäftsfeld entwickelt hat, und kaum kontrollierbar ist. Die teilweise kommerziell betriebene Nachtfischerei auf Großwelse am Unteren Neckar (soge-nanntes Catch and Release) verstößt nicht nur gegen bestehende Gesetze, sondern ist ein massiver Störfaktor für dieses sensible Schutzgebiet, in dem viele nachtaktive und streng geschützte Tiere leben.

2015: Lebendiger Neckar - Wie lange noch

 (Dieter Arnold)

(von Tobias Staufenberg, ehemaliger Regionalgeschäftsführer BUND Rhein-Neckar)

Anlässlich des Aktionstags „Lebendiger Neckar“ kritisiert das Aktionsbündnis den teilweise bedenklichen Zustand des Flusses. Vor allem die mangelnde Umsetzung der Naturschutzverordnung, aber auch das Verhalten der Menschen in den Schutzgebieten entlang des Neckars sind problematisch.
Zwischen Heidelberg und Mannheim sind zahlreiche Brennpunkte entstanden, an denen rasches Handeln erforderlich ist.
Naturschutzgebiete werden als Partylocation genutzt und die Vegetation am Neckarkanal und -damm teils vollständig gerodet.   

Ilvesheimer Altneckarschleife: Hier, an der letzten natur-belassenen Neckarschleife, wurden die Biber durch frei- laufende Hunde und nächtliche Partys vertrieben. Ebenso ist der Flussregenpfeifer, das Wappen-tier des Unteren Neckars, hier inzwischen verschwunden. 

 

Neue Beschilderung an der Nordweide, Foto: Dieter Arnold

Erfreuliche Entwicklung in Ilvesheim am 17. Juni 2015: Die Zugänge am Südufer und an der Nordweide wurden mit klarer Beschilderung als Naturschutzgebiete ausgewiesen und mit Betreten-verboten-Schildern gesperrt.

Lösung: Sperrung des Naturschutzgebietes, Schaffung einer künstlichen Kiesbank im angrenzenden Landschaftsschutzgebietes für die Freizeitnutzung, ein Vorschlag, der demnächst in Angriff genommen werden soll.(2019).

Mannheim

 (Birgit Biemann)

Ungeachtet der Gewässerrandstreifen-Verordnung, in der der Einsatz von Herbiziden an Gewässern strengstens verboten ist, wurde entlang des Neckars ein Pflanzenvernichtungsmittel gesprüht, das sehr schädlich für Wasserorganismen ist.

Lösung: Die Gewässerrandstreifen-Verordnung muss strikt eingehalten werden. Grundsätzlich dürfen keine Chemikalien an Gewässern und auf nicht landwirtschaftlich genutzten Gebieten einschließlich Mähwiesen und Weiden eingesetzt werden.

Termine

Unsere nächsten Treffen sind – momentan noch per zoom – 22.06., 15.07., 16.09., 14.10.,18.11. und 16.12. 2021, jeweils 20 Uhr.

Die  Zoom-Einwähldaten bzw. der Ort der Sitzung können bei Regine Buyer erfragt werden:
regine_buyer(at)web.de

Ansprechpartnerin

Dr. Regine Buyer


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