BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald

Der Rhein schickt eine Klimawelle: Es braucht dringend mehr naturnahen Hochwasserrückhalt und eine Raumplanung, die den Klimawandel ernst nimmt

15. Juli 2021 | Flüsse & Gewässer, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Umweltgifte

Die Wetterdienste sagen für die nächsten Tage intensive Niederschläge im Rheineinzugsgebiet voraus. Voraussichtlich wird der „Starkregen“ aber „nur“ zu einem Hochwasser führen, wie es im Rhein – statistisch gesehen – etwa alle zehn Jahre zu erwarten ist. Der Rhein schickt damit aber eine „Klimawarnung“. Dr. Bianca Räpple vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) Rhein-Neckar-Odenwald: „Ähnlich wie die letzten Trockenjahre sollte auch die aktuelle Situation nun endlich zu einem radikalen Umdenken führen: in der hiesigen Regional- und Bauleitplanung, ebenso wie in unserer Art der Landnutzung. Statt immer mehr Fläche zu versiegeln, brauchen wir klimaresiliente Gemeinden und ein integriertes Wassermanagement“.

Toter Fisch am Kraichbach nach Starkregen  (Uwe Heidenreich / BUND)

Nach der Ruhe kommt der Sturm?

Das sich jetzt aufbauende zehnjährliche Rheinhochwasser ist eine Mahnung, dass es mit der seit den Nullerjahren anhaltenden Ruhe an der rheinischen Hochwasserfront bald auch wieder vorbei sein könnte.

Als Klimaanpassungsmaßnahme ist es deshalb dringend erforderlich, dass entlang des Rheins und seinen Nebenflüssen zusätzlicher Hochwasserrückhalteraum ausgewiesen wird: In revitalisierten Auen wird aus Hochwasser dann wieder Breitwasser. Ferner muss in der Land- und Forstwirtschaft das Wasseraufnahmevermögen der Böden deutlich gesteigert werden. Und in urbanen Regionen müssen die Städte zu „Schwammstädten“ umgebaut werden, die möglichst viel Starkregen speichern und nur verzögert wieder an die Unterlieger abgeben. Unterbleiben diese Maßnahmen, kann aus einem „Warnschuss“ wie jetzt durchaus ein Katastrophenhochwasser werden.

Regionales Schadenspotenzial

„Ein Katastrophenhochwasser am Rhein und seinen Nebenflüssen hätte auch in der Region fatale Auswirkungen. In vielen ehemaligen Überschwemmungsbereichen wurde (und wird weiterhin!) gebaut, so dass sich das Schadenspotenzial dort stark erhöht hat“, so Räpple. Die Lagerung von und der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen in diesen Bereichen bergen zusätzlich große Gefahren. Trotzdem gehen die Planungen weiter wie bisher. So will z.B. die MVV in Mannheim einen neuen, 3000 m3 großen Heizöltank in einem Bereich nahe des Rheins platzieren, der bei einem großen Hochwasser bald betroffen sein könnte. „Gelangen Stoffe wie Heizöl in die Gewässer, ist der Schaden für die Lebewesen groß. Auch die schlecht dimensionierte und oftmals marode Infrastruktur in vielen kleineren Gemeinden führt dazu, dass bei Starkregenereignissen ungeklärte Abwässer in die Gewässer gelangen, was immer wieder zu Fischsterben führt, wie erst jüngst wieder mehrfach am Kraichbach“ führt Uwe Heidenreich, Wasserexperte des BUND weiter aus.

Veränderte Wetterphänomene

Stationär um sich kreisende Tiefdruckgebiete werden durch das Erlahmen des Jetstreams in der oberen Atmosphäre aller Wahrscheinlichkeit nach zunehmen. Der Klimawandel führt somit zu einem „Einigeln“ der Tiefdruckgebiete. Der gesamte Niederschlag kommt dann über einer Region herunter. Das kann durchaus zu extremen Hochwasserfluten im Rhein führen. In den 90er Jahren führten „Jahrhunderthochwässer“ gleich mehrmals zu Milliardenschäden in den Rheinanrainerkommunen. Und 2002 und 2013 kam es im Elbe- und im Donaueinzugsgebiet zu zerstörerischen Hochwasserfluten, wie sie bislang nur alle 300 bis 500 Jahre zu erwarten waren.

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