BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald
BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald

Dr. Andre Baumann Bündnis 90/Die Grünen Schwetzingen

Frage 1: Leider gehört nur ein Teil der Region Rhein-Neckar-Odenwald zu den neun Bio-Musterregionen. Welche Maßnahmen halten Sie für besonders geeignet, um einen Anteil des ökologischen Landbaus von 40% oder mehr auch in ihrem Wahlkreis zu erreichen?

Frage 2: Welche Maßnahmen sollten Ihrer Meinung nach ergriffen werden, um eine Wertschöpfungskette ökologisch erzeugter Lebensmittel von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Verbraucher in der Region aufzubauen?

Wir müssen sowohl die Förderung des Öko-Landbaus als auch die Nachfrage nach Bio-Produktion aus dem Land erhöhen. Beides kann und muss Hand in Hand gehen. Bauern müssen dauerhaft erfolgreich wirtschaften und davon gut leben können, wenn sie weniger Pestizide einsetzen oder ökologisch produzieren. Darum gilt es die Agrar-Förderprogramme neu zu justieren und auszubauen. 

Wir werden auch einen Strategiedialog Landwirtschaft und Naturschutz starten, an dem der Handel mit am Tisch setzt. Mit den Bauern, mit dem Handel, mit Umwelt- und Bauernverbänden werden wir konkrete Maßnahmen ausarbeiten, wie wir bäuerliche Betriebe fördern, die erhalten, was uns erhält. Wir brauchen auch die Verbraucherinnen und Verbraucher, die diese Lebensmittel kaufen.

Frage 3: Wie kann nach Ihrer Meinung die gesetzliche Vorgabe zur Reduzierung des Pestizideinsatzes auch in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Grünflächen und auf Verkehrsflächen erreicht werden?

Der Pestizideinsatz im Privatbereich und im öffentlichen Grün wird durch Bundesgesetze geregelt. Wir werden uns im Bundesrat für eine Pestizidreduktion einsetzen. Außerdem: Wir brauchen eine neue Bundesregierung, die endlich den Naturschutz voranbringt. Im Land zeigen wir, wie es geht. Bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg haben wir beispielsweise den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden nahezu vollständig unterbunden. Ich komme aus Schwetzingen. Als Vorsitzender des NABU Schwetzingen habe ich mich in jungen Jahren über den Einsatz von Glyphsot und Co. im Schlossgarten geärgert und habe einen Verzicht angemahnt. Heute wird im Schlossgarten „Unkraut" auf Wegen weggedampft oder weggebrannt. Die Giftspritze ist verschwunden. Wir werben bei den Städten und Gemeinden, es dem Land gleich zu tun. Auf Pestizide zu verzichten, ist möglich. Nötig ist es allemal.

Frage 4: Würden Sie sich dafür einsetzen, die Anwendung von Pestiziden ganz zu unterbinden?

Im Privatbereich haben Glyphosat und Co. nichts verloren. Hier bin ich für geeignete gesetzliche Regelungen. Auch bei der Pflege von öffentlichen Grünflächen brauchen wir keine chemische Keule. In der Landwirtschaft sollten die schwersten und gefährlichsten chemischen Keulen verbannt werden; auch gesetzlich. Neonicothinoide haben beispielsweise nichts auf dem Acker zu suchen. Ansonsten gilt es, das Biodiversitätsstärkungsgesetz, das wir mit Bauern, BUND und NABU auf den Weg gebracht haben, konsequent umzusetzen. Wir müssen bis 2030 den Einsatz von Pestiziden nahe halbieren und die giftigsten Gifte aus dem Verkehr ziehen.

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