BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald
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Dr. Boris Weirauch MdL SPD Mannheim II

Frage 1: Leider gehört nur ein Teil der Region Rhein-Neckar-Odenwald zu den neun Bio-Musterregionen. Welche Maßnahmen halten Sie für besonders geeignet, um einen Anteil des ökologischen Landbaus von 40% oder mehr auch in ihrem Wahlkreis zu erreichen?

Mein Wahlkreis Mannheim II ist verglichen mit anderen Regionen mehr von industrieller Wirtschaft bzw. dem Dienstleistungssektor als von Landwirtschaft geprägt. Trotzdem gibt es auch in und um Mannheim zahlreiche Initiativen, die sich der ökologischen Landwirtschaft verschrieben haben. Ich befürworte, den Anteil des ökologischen Landbaus zu erhöhen, indem bestehende Förderprogramme für die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf ökologische Landwirtschaft ausgebaut werden. Auch befürworte ich, dass bei städtebaulichen Maßnahmen die Möglichkeiten von ökologischer Landwirtschaft, auch auf Ebene der Mikrolandwirtschaft, mitberücksichtigt werden sollten. Landwirtschaftliche Leistungen, die dem Gemeinwohl dienen, wie tiergerechte Nutztierhaltung und umweltschonendes Wirtschaften, müssen zudem stärker wertgeschätzt und besser vergütet werden. Die Förderpolitik des Landes muss gewährleisten, dass dem vorhandenen und steigenden Verbraucherinteresse an ökologisch produzierten Lebensmitteln eine entsprechende ökologische Produktion entgegen steht. Gerade in einem städtischen Verdichtungsraum in und um Mannheim sind die Möglichkeiten für die Direktvermarktung sehr gut und daher auch für die biologische Landwirtschaft sehr gut.

Frage 2: Welche Maßnahmen sollten Ihrer Meinung nach ergriffen werden, um eine Wertschöpfungskette ökologisch erzeugter Lebensmittel von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Verbraucher in der Region aufzubauen?

Erzeuger müssen als Marktteilnehmer gestärkt werden. Direktvermarktung, Kooperationen sowie neue Initiativen, die Verbraucher und Erzeuger zusammenbringen, müssen mehr in den Mittelpunkt struktureller Förderungen gerückt werden. Auch müssen neben der Beratung auch die Kontrollen von Umwelt- und Tierwohlstandards und -vorschriften verbessert werden. Für eine ökologisch geprägte Wertschöpfungskette sind auch gut informierte Verbraucherinnen und Verbraucher zentral. Ich befürworte daher Kennzeichnungspflichten in verschiedenen Bereichen der Lebensmittelerzeugung.

Frage 3: Wie kann nach Ihrer Meinung die gesetzliche Vorgabe zur Reduzierung des Pestizideinsatzes auch in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Grünflächen und auf Verkehrsflächen erreicht werden?

Bezüglich der Reduzierung des Pestizideinsatzes in Haus- und Kleingärten ist eine gezieltere Information von Bürgerinnen und Bürgern nötig. Zudem können und müssen die Möglichkeiten des Erwerbs unterbunden werden, soweit es sich um Pestizide handelt, die für den Privatgebrauch nicht oder nicht mehr zulässig sind. Für die Reduzierung von Pestiziden auf öffentlichen Flächen müssen die Kommunen mit einbezogen werden. Aus meiner Zeit als Kommunalpolitiker weiß ich, dass hier noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Dennoch kann gerade auf öffentlichem Grün und entlang von Straßen gut auf Pestizide und insbesondere auf Herbizide gut verzichtet werden. Mit einem Mix aus insektenfreundlicher Mahd und mechanischer Behandlung kann hier meist ein guter Effekt erzielt werden, der auch den anderen Nutzungsansprüchen gerecht wird.

Frage 4: Würden Sie sich dafür einsetzen, die Anwendung von Pestiziden ganz zu unterbinden?

Die Anwendung von Pestiziden muss deutlich verringert werden. Die SPD-Fraktion fordert auch weiterhin ein aussagekräftiges Pestizid-Monitoring und eine aktive Pestizidreduktionsstrategie. Ein vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide ist zwar anzustreben, jedoch gibt es viele Sonderkulturen und auch besondere Witterungslagen oder verstärkten Befallsdruck, die noch mittelfristig den Einsatz von solchen Pflanzenschutzmitteln nötig machen, dafür reichen jedoch erheblich weniger Mittel aus als bisher. Schon allein das Glyphosatverbot und das (von uns angestrebte) Verbot aller Neonicotinoide wäre ein deutlicher quantitativer und qualitativer Fortschritt. Hinzu kommt der reduzierende Effekt, wenn man die pestizidfreie Landwirtschaft (wie beispielsweise Kraichgau-Korn) und den Biologischen Landbau stark ausweitet.

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