BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald
BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald

Uli Sckerl MdL Bündnis 90/Die Grünen Weinheim

Frage 1: Leider gehört nur ein Teil der Region Rhein-Neckar-Odenwald zu den neun Bio-Musterregionen. Welche Maßnahmen halten Sie für besonders geeignet, um einen Anteil des ökologischen Landbaus von 40% oder mehr auch in ihrem Wahlkreis zu erreichen?

Seit 2011 hat sich der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Baden-Württemberg fast verdoppelt. In mittlerweile neun Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg wird seit Januar 2018 der Öko-Landbau-Sektor mit innovativen Ideen, Wissen und Engagement vorangebracht. Der von uns weiterentwickelte Aktionsplan Bio aus Baden-Württemberg rückt die Wertschöpfungskette noch stärker als Ganzes in den Fokus.

40 Prozent ökologischer Landbau bis 2030 sind sehr ambitioniert. Dazu braucht es ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Stellvertretend seien genannt: Die öffentlichen Kantinen müssen auf regionale Bioverpflegung umgestellt werden. Die Bündelung der Nachfrage der öffentlichen Hand ist eine große Chance für Ernährung und Landwirtschaft. Wir brauchen klare Absprachen mit den großen Handelsketten über die verpflichtende Abnahme biologischer erzeugter regionaler Lebensmittel in den Supermärkten. Dazu hat sich die Landesregierung bei den runden Tischen zum Artenschutz verpflichtet. Als Land haben wir auf jeden Fall das Ziel, die Rahmenbedingungen für ökologisch wirtschaftende Betriebe zu verbessern sowie den Neueinstieg in den ökologischen Landbau sowie die ökologische Lebensmittelwirtschaft zu erleichtern. Hierfür haben wir 9 Mio. Euro für die nächsten zwei Jahre bereitgestellt.

Frage 2: Welche Maßnahmen sollten Ihrer Meinung nach ergriffen werden, um eine Wertschöpfungskette ökologisch erzeugter Lebensmittel von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Verbraucher in der Region aufzubauen?

Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie, die Tiere würdig behandelt, das Klima schützt und die Leistungen unserer Bäuerinnen und Bauern honoriert werden. Es ist eine entscheidende Zukunftsaufgabe für uns, die Politik, die Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie in der Landnutzung zu lösen. Das geht aus unserer Sicht nur, wenn sich alle an einen Tisch setzen – Landwirtschaft, Handel, Verbraucher*innen, Verarbeiter und NGOs aus den Bereichen Tier-, Natur- und Umweltschutz. Daraus soll ein neues Miteinander, ein „Gesellschaftsvertrag“ entstehen, der aufzeigt, wie flächendeckende natur- und tierverträgliche und gleichzeitig profitable Landwirtschaft aussehen wird.

Höhere Standards in der Erzeugung müssen in höhere Erlöse für die Betriebe münden. Wichtig sind: ein fairer Umgang innerhalb der Wertschöpfungskette, ein größeres Bewusstsein bei den Verbraucher*innen und ein kooperativer Ansatz im Naturschutz.

Frage 3: Wie kann nach Ihrer Meinung die gesetzliche Vorgabe zur Reduzierung des Pestizideinsatzes auch in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Grünflächen und auf Verkehrsflächen erreicht werden?

Das Land verpflichtet sich, hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das Reduktionsziel erreicht werden kann. Dies erfolgt beispielsweise durch die Anschaffung neuer Technik, verstärkte Förderung für den freiwilligen Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und den Ausbau des Integrierten Pflanzenschutzes. Die Reduktionsziele stellen keine einzelbetriebliche Verpflichtung dar. Um diese Ziele zu erreichen, sind alle Bereich der Gesellschaft gefordert: z.B. Privatgärten, die öffentliche Hand, Großnutzer wie die Deutsche Bahn.

Frage 4: Würden Sie sich dafür einsetzen, die Anwendung von Pestiziden ganz zu unterbinden?

Wir erleben gerade das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier. Eine Million Arten drohen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auszusterben. Auch hier im Land sind zwei von fünf heimischen Arten gefährdet. Wir Grüne stehen uneingeschränkt für den Artenschutz ein. Gleichzeitig tragen wir aber auch eine Verantwortung gegenüber den Landwirten. Und auch für die Erzeugung von „Bio“-Produkten, wie bspw. Bio-Wein, ist der Einsatz von biologischen Pestiziden notwendig, in moderaten Mengen natürlich. Wir wollen Lösungen mit der Landwirtschaft erarbeiten und nicht gegen sie. Ein generelles Anwendungsverbot von Pestiziden halte ich deshalb nicht für zielführend. Das gilt natürlich nicht für ausgewiesene Naturschutzgebiete. So konnten wir erreichen, dass ab dem 1. Januar 2022 der Einsatz aller Pestizide in Naturschutzgebieten verboten wird.

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