BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald
BUND Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald

Dr. Susanne Aschhoff Bündnis 90/Die Grünen Mannheim I

Frage 1: Leider gehört nur ein Teil der Region Rhein-Neckar-Odenwald zu den neun Bio-Musterregionen. Welche Maßnahmen halten Sie für besonders geeignet, um einen Anteil des ökologischen Landbaus von 40% oder mehr auch in ihrem Wahlkreis zu erreichen?

Gerade in der Rhein-Neckar-Region bietet sich die Chance, die Nachfrage nach
regionalen, ökologisch produzierten Lebensmitteln zu stärken. Die bäuerlichen
Betriebe erhalten so die Chance, qualitaiv hochwertige Lebensmittel zu
produzieren und diese zu angemessenen Preisen zu vermarkten. Ein Ziel auf
diesem Weg ist z.B. für uns, bio-regionale Lebensmittel in den kommenden
fünf Jahren sowohl in landeseigenen als auch in kommunalen Kantinen zu
verankern.

Extensiv genutzter Weide- und Grünlandflächen sowie Streuobstwiesen sind
ebenfalls zu fördern. In den vergangenen 8 Jahren haben wir den Anteil an
Bioflächen in Baden-Württemberg verdoppelt, doch bis zu unserem Ziel von
40% gibt es noch viel zu tun! Mit Blick auf eine tier- und klimaverträgliche
Landwirtschaft brauchen wir grundsätzlich beides: gesetzliche Mindeststandards und Anreize, wie sie in unseren Kulturlandschaftsprogrammen
verankert sind.

Außerdem fordern wir, EU Fördergelder darauf auszurichten, dass sie
diejenigen Landwirtinnen und Landwirte stärker fördern, die etwas für die
Natur und das Tierwohl tun, statt Geld in industrielle Agrarbetriebe pumpen.
 

Frage 2: Welche Maßnahmen sollten Ihrer Meinung nach ergriffen werden, um eine Wertschöpfungskette ökologisch erzeugter Lebensmittel von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Verbraucher in der Region aufzubauen?

Die regionale Vermarktung sollte gestärkt werden, denn sie bietet eine gute
Chance, den Ökolandbau unmittelbar in unserer Region auszuweiten. Dabei gilt
es mit gutem regionalen Marketing alle Elemente vom produzierenden Betrieb,
über weiterverarbeitende Akteure wie z.B. Mühlen, Metzger oder Bäcker bis hin
zum Einzelhandel zu beteiligen.

Für Baden-Württemberg wollen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag für die
Landwirtschaft initiieren. Ziel sind faire Preise und ein auskömmliches
Wirtschaften unserer bäuerlichen Betriebe einerseits, und mehr Natur-, Klima-,
Tier- und Umweltschutz andererseits. Das wollen wir erreichen, indem wir
neben Landwirtschaft, Agrarwissenschaften und Naturschutz auch Handel, die
verarbeitenden Betriebe sowie die Verbraucher*innen einbeziehen.
 

Frage 3: Wie kann nach Ihrer Meinung die gesetzliche Vorgabe zur Reduzierung des Pestizideinsatzes auch in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Grünflächen und auf Verkehrsflächen erreicht werden?

Wir wollen das Biodiversitätsstärkungsgesetz umsetzen. Das bedeutet u.a.: Wir
reduzieren die Pestizide um 50 Prozent.

Hier sind nicht nur Landwirt*innen, sondern auch Kommunen in der Pflicht. Sie
können Vorbildfunktion auch für private Gartenbesitzer*innen sein. Außerdem
sollten gezielte Kampagnen über die Gefahren und Konsequenzen des
Pestizideinsatzes aufklären.
 

Frage 4: Würden Sie sich dafür einsetzen, die Anwendung von Pestiziden ganz zu unterbinden?

Wir haben die Reduktion chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel um 50%
bis 2030 beschlossen. In Naturschutzgebieten ist der Pestizideinsatz mit
Ausnahmen der Schnakenbekämpfung gänzlich verboten. Ein 100%iger
Verzicht auf alle Pestizide in allen Anwendungsbereichen wird in absehbarer
Zeit meines Erachtens nicht möglich sein.

Von EU und Bundesregierung fordern wir allerdings das Verbot von den
besonders schädlichen Wirkstoffen Glyphosat und Neonicotinoide.

 

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